Geothermie im Kanton Waadt

Bald 20 Geothermie-Projekte im Kanton Waadt?

03.07.2019

Der Kanton Waadt setzt sich ehrgeizige Ziele: Bis 2035 soll ein Drittel des kantonalen Energiebedarfs durch erneuerbare Energien abgedeckt werden, bis 2050 sogar die Hälfte. Um diese Ziele zu erreichen, setzt die Waadtländer Regierung auch auf den Ausbau der Geothermie. Bis 2050 sollen auf dem Kantonsgebiet rund 20 Projekte realisiert werden. Möglich macht dies ein neues kantonales Gesetz über die Nutzung der natürlichen Ressourcen im Untergrund.

Zwei der 20 angestrebten Projekte befinden sich bereits auf gutem Weg. Das Bundesamt für Energie (BFE) hat jüngst die ersten Förderbeiträge für die direkte Nutzung der Geothermie gesprochen: Die Projekte EnergeÔ in Vinzel (Wärme, CHF 14,4 Mio.) sowie AGEPP in Lavey-les-Bains (Wärme und Strom, CHF 12 Mio.). Die Fördermittel für das erste Projekt stammen aus dem Fördertopf des CO2-Gesetzes, jene für das zweite Projekt wurden im Rahmen des Energiegesetzes zugesichert.

Systematische Erfassung des Untergrunds im Kanton
Mit einem neuen Tool hat der Kanton erfasst, welche Temperatur in welcher Tiefe vorherrscht und diese Informationen mit dem Wärmebedarf an der Oberfläche verknüpft. Die Veröffentlichung dieses «Geothermie-Katasters» zeigt das grosse Potenzial im Kanton Waadt. Aufgrund der verfügbaren geologischen Daten beschränkt sich das Tool derzeit auf das Waadtländer Plateau, soll aber in Kürze auf die restlichen Regionen ausgeweitet werden.

Günstige Rahmenbedingungen schaffen
Auch auf Gesetzesebene ist der Kanton Waadt aktiv: seit dem 1. April ist das Gesetz über die Nutzung der natürlichen Ressourcen im Untergrund in Kraft. Dieses beinhaltet gleich mehrere Massnahmen zur Förderung der Tiefengeothermie. So ist explizit festgehalten, dass für die Nutzung der Erdwärme als Ressource keine Gebühren zu entrichten sind und das erworbene Nutzungsrecht exklusiv ist. Das heisst, Investoren und Projektleiter erhalten Garantien und eine Planungssicherheit für ihre Projekte.

Interview mit Jacqueline de Quattro, Staatsrätin Kanton Waadt.

Staatsrätin Jacqueline de Quattro (Foto Céline Michel)

Staatsrätin Jacqueline de Quattro (Foto Céline Michel)

Der Kanton Waadt hat günstige, gesetzliche Rahmenbedingungen für die Tiefengeothermie geschaffen und strebt bis 2050 rund 20 geothermische Anlagen auf seinem Kantonsgebiet an. Wie kommen Sie auf die Zahl 20?
Das Potenzial in unserem Kanton wird auf etwa 60 geothermische Anlagen geschätzt. Mit der Zahl 20 haben wir uns ein realistisches Ziel gesetzt. Wenn wir den Zeitplan einhalten, wird etwa alle 18 Monate eine geothermische Anlage in Betrieb gehen. Damit wird künftig der Wärmebedarf von rund 20’000 Haushalten gedeckt. Es ist wichtig, realistische Ziele zu setzen – und wenn die Entwicklung positiv verläuft, können Ziele nachträglich auch nach oben korrigiert werden.

Wie aktiv interpretiert der Kanton in den nächsten Jahren seine Rolle bei der Erreichung dieses Zieles?
Das neue kantonale Gesetz über die natürlichen Ressourcen des Untergrunds, das am 1. April dieses Jahres in Kraft trat, ist eine wichtige Grundlage für die künftige Nutzung der Geothermie. Dem Kanton fällt die Rolle zu, Projektträger so gut wie möglich zu begleiten und auf diesem Weg die Nutzung dieser nachhaltigen und umweltverträglichen Ressource sicherzustellen.

Welche weitergehenden Massnahmen zur Förderung von Geothermie-Projekten im Kanton sind geplant bzw. denkbar?
Die gewonnene Wärme aus der mitteltiefen und tiefen Geothermie wird in der Regel in ein Fernwärmenetz eingespeist. Bereits heute setzt sich der Kanton Waadt stark dafür ein, diese thermischen Netze auszubauen. Zum Beispiel werden Förderbeiträge für Machbarkeitsstudien, Bau und Ausbau von solchen Netzen gesprochen.

Mit den Projekten von EnergeÔ in Vinzel sowie von AGEPP in Lavey-les-Bains nimmt die Geothermie im Kanton Waadt bereits Fahrt auf. Haben diese Projekte eine Signalwirkung?
Diese beiden Projekte senden ein starkes Signal aus, und zwar kantonal wie auch national. Es sind die ersten, die nach der neuen Gesetzgebung eine finanzielle Unterstützung durch den Bund erhalten. Beide Projekte wurden bereits initiiert, noch bevor alle Rahmenbedingungen geklärt waren. Da möchte ich den Projektträgern zu diesem ehrgeizigen und unternehmerischen Entscheid gratulieren! Wir erwarten demnächst mehrere Gesuche von Gemeinden und privaten Unternehmen für Explorationsbeiträge. Sämtliche Ampeln stehen derzeit also auf grün.

Warum nimmt die Geothermie im Kanton Waadt eine wichtigere Rolle ein als in anderen Kantonen? Welches ist die Motivation?
Unser Kanton setzt sich schon seit Jahren für die Energiewende ein, und zwar lange bevor die Schweiz die Energiestrategie 2050 des Bundes angenommen hat. Die Zustimmung im Kanton Waadt lag damals übrigens bei 73 Prozent! Die Geothermie wird ihren Beitrag im Kampf gegen die Klimaerwärmung leisten und mithelfen, eine möglichst hohe Lebensqualität für kommende Generationen sicherzustellen. Das geothermische Potenzial in unserem Kanton ist gross, und diese Gelegenheit müssen wir nutzen.

Will der Kanton Waadt auf Stufe der Konferenz Kantonaler Energiedirektoren in der Geothermie-Frage eine aktive Rolle einnehmen und so den Deutschschweizer Kollegen «einheizen»?
Wir konzentrieren uns auf die Entwicklung der Geothermie auf unserem Kantonsgebiet und werden bei Bedarf mit unseren Nachbarkantonen zusammenarbeiten. Wenn unser Engagement auf diesem Gebiet neue Projekte im Rest der Schweiz nach sich zieht, wäre das natürlich fantastisch!

Medienmitteilung des Kantons Waadt (auf Französisch)

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