Analyse der Produktionskosten von geothermischer Wärme in Fernwärmesystemen
22.01.2026Die hydrothermale Geothermie mittlerer Tiefe bietet ein erhebliches Potenzial für die Dekarbonisierung der Fernwärmeversorgung in der Schweiz.
Im Kanton Genf weisen zwei geologische Horizonte – der Kreide-/Malm-Horizont sowie der Dogger – günstige Voraussetzungen für eine hydrothermale Nutzung auf, auch wenn ihre Eigenschaften bislang noch mit Unsicherheiten behaftet sind. Die von Loïc Quiquerez (SIG) durchgeführte Studie präsentiert auf der EGC2025 untersucht die technoökonomische Leistungsfähigkeit und die Realisierbarkeit einer Nutzung in einem geologisch noch wenig erschlossenen Kontext. Ziel der Studie ist es, die Wärmegestehungskosten (LCOH) für zwei geothermische Dublettenkonzepte – eines in 1’000 m und eines in 2’000 m Tiefe – zu bewerten, die repräsentativ für die Situation in Genf sind. Dabei werden sowohl technische Leistungsparameter als auch wirtschaftliche und geologische Unsicherheiten berücksichtigt, um Investitionsentscheide und Förderstrategien fundiert zu unterstützen.
Die Studie bestätigt die technoökonomische Machbarkeit der Geothermie mittlerer Tiefe sowie die Komplementarität der Systeme in 1’000 m und 2’000 m Tiefe. Das 1’000-m-System weist ein geringeres finanzielles Risiko auf, ist jedoch aufgrund des Einsatzes einer Wärmepumpe stärker vom Strombedarf abhängig. Das 2’000-m-System ist kapitalintensiver und mit höheren finanziellen Risiken bei einem Misserfolg verbunden, ermöglicht jedoch eine Reduktion des Stromverbrauchs und der Betriebskosten.
Zu den zentralen Kostenfaktoren zählen der geothermische Förderstrom, die Produktions- und Reinjektionstemperaturen, der Auslastungsgrad, der Diskontsatz sowie der Strompreis. Die Optimierung dieser Parameter – in Kombination mit stabilen finanziellen Rahmenbedingungen und geeigneten Instrumenten zur Risikominderung – ist entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit und wirtschaftliche Tragfähigkeit der Systeme.
Der LCOH erweist sich als robuster Indikator zur Bewertung der Wirtschaftlichkeit und des Risikos geothermischer Projekte. Gleichzeitig ist zu berücksichtigen, dass die verfügbaren Daten zu den Förderraten bislang begrenzt sind, obwohl dieser Parameter einen massgeblichen Einfluss auf den LCOH hat. Die Ergebnisse sind daher mit der gebotenen Vorsicht zu interpretieren.
Für die Schweiz lassen sich drei zentrale Handlungsfelder identifizieren:
- Vertiefung der geologischen Kenntnisse durch zusätzliche Erkundungsbohrungen,
- Integration der Geothermie in leistungsfähige Wärmenetze,
- Entwicklung geeigneter Finanzierungsinstrumente zur Reduktion der Projektrisiken.
Die koordinierte Umsetzung dieser Massnahmen kann dazu beitragen, die Geothermie mittlerer Tiefe als verlässliche und nachhaltige Säule der Energiewende in der Schweiz zu etablieren.
Artikel auf der Website von Aqua & Gaz lesen (Französisch)
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