Potenzial

Störungen sind vielversprechend

Das Potenzial für hydrothermale Tiefengeothermie ist ohne standortabhängige Analyse schwierig abzuschätzen. Dies aus verschiedenen Gründen: Primär muss im Untergrund das Wasser in der gewünschten Menge und Temperatur vorhanden sein. Nicht für jeden Zweck braucht es gleich viel Wasser und gleich hohe Temperaturen. Zur Stromproduktion sind sehr hohe Temperaturen nötig, zur Speisung eines Fernwärnetzes reichen niedrigere Temperaturen (45 – 90° C) . Da Wärme zudem nicht oder nur über kurze Strecken transportiert werden kann, sollten mögliche Abnehmer dort angesiedelt sein, wo die Wärme entnommen wird.

Überall anders
In der Schweiz ist der tiefere Untergrund kaum bekannt. Zwischen rund 500 – 1‘000 Meter sind noch vergleichsweise viele Informationen vorhanden. Mit zunehmender Tiefe werden die Kenntnisse über allfällige Wasservorkommen immer kleiner. Nur Bohrungen können zeigen, ob in der Tiefe Wasser vorhanden ist. In der Schweiz liefern bloss 11 Bohrungen punktuelle Informationen über 3‘000 Meter Tiefe.

Im Untergrund muss eine Gesteinsschicht vorhanden sein, durch die von Natur aus Wasser fliesst (Aquifer). Wasser kann dann durch ein Gestein fliessen, sobald genügend grosse Hohlräume (Poren), Gesteinsrisse (Klüfte) oder – bei Kalk- und Dolomitgestein – eine Verkarstung vorliegt. Mit zunehmender Tiefe nimmt die Wassermenge ab. In Tiefen von mehr als 3000 Meter haben nur noch sogenannte Störungen ein nennenswertes Potenzial. Abseits solcher Störungen sind die Aussichten auf wirtschaftlich nutzbare wasserführende Schichten (Aquifere) gering.

Jura, Voralpen und Alpen haben Potenzial
Ein Querschnitt durchs Schweizer Mittelland zeigt, wo Störungen in Tiefen von mehr als 3‘000 Meter nachgewiesen sind respektive vermutet werden. Im ganzen Mittelland gibt es nur sehr vereinzelt grössere Störungen. Demnach ist hier das Potenzial für hydrothermale Anlagen in grosser Tiefe grundsätzlich gering. Hingegen könnten insbesondere im Bereich des Faltenjuras, der Voralpen und Alpen entlang der Störungen gute Potenziale vorhanden sein.

Querschnitt durchs Schweizer Mittelland

Störungen mit dem grössten Potenzial für hydrothermale Geothermie gibt es im Jura, den Voralpen und Alpen. (Quelle: Dr. Roland Wyss GmbH)

Störungen mit dem grössten Potenzial für hydrothermale Geothermie gibt es im Jura, den Voralpen und Alpen. (Quelle: Dr. Roland Wyss GmbH)

Die hydrothermale Technologie stellt die «klassische» Nutzungsform dar und ist etabliert. Die Technik begrenzt das Potenzial kaum. Jedoch ist mit 7 Kilometern die maximale Bohrtiefe von «normalen» Tiefbohranlagen annähernd erreicht. Allerdings sind hydrothermale und petrothermale Anlagen in der Natur nicht strikt voneinander getrennt. Bei Aquiferen kann die Wasserfliessmenge durch hydraulische Stimulation verbessert werden und bei einem petrothermalen System kann ein Aquifer mit geringen Wasserschüttungen zugrunde liegen.