Potenzial

Unterschiedlich von Ort zu Ort

Das Potenzial für hydrothermale Geothermie ist ohne standortabhängige Analyse schwierig abzuschätzen. Dies aus verschiedenen Gründen. Primär muss im Untergrund das Wasser in der gewünschten Menge und Temperatur vorhanden sein. Nicht für jeden Zweck braucht es gleich viel Wasser und gleich hohe Temperaturen. Da Wärme zudem nicht oder nur über kurze Strecken transportiert werden kann, sollten mögliche Abnehmer dort angesiedelt sein, wo die Wärme entnommen wird.

Überall anders
In der Schweiz ist der tiefere Untergrund kaum bekannt. Zwischen rund 500 – 1‘000 Meter sind noch vergleichsweise viele Informationen vorhanden. Mit zunehmender Tiefe werden die Kenntnisse über allfällige Wasservorkommen immer kleiner. Nur Bohrungen können zeigen, ob in der Tiefe Wasser vorhanden ist.

Im Untergrund muss eine Gesteinsschicht vorhanden sein, durch die von Natur aus Wasser fliesst (Aquifer). Wasser kann dann durch ein Gestein fliessen, sobald genügend grosse Hohlräume (Poren), Gesteinsrisse (Klüfte) oder – bei Kalk- und Dolomitgestein – eine Verkarstung vorliegt. Die Schweiz gliedert sich geologisch in mehrere Regionen. Deren Potenzial für die mitteltiefe Geothermie ist unterschiedlich. In den Alpen sind lokal eng begrenzt grosse Potenziale möglich. Auch im Jura und im Mittelland sind wasserführende Schichten vorhanden.

Untergrundwasser in der Schweiz

Die unterschiedlichen Farben zeigen die Herkunft des Tiefenwassers (Quelle: St. Galler Stadtwerke)

 

Je südlicher, umso tiefer und wärmer
Im Norden der Schweiz liegen die wasserführenden Schichten nahe der Oberfläche. Sie haben tendenziell kältere Temperaturen, dafür grössere Wassermengen. Je weiter südlich ein Standort gelegen ist, umso wärmer werden die jeweiligen Gesteinsschichten durch die zunehmende Tiefe. Allerdings führen diese Schichten weniger Wasser. Die untenstehende Grafik zeigt einen Querschnitt durchs Schweizer Mittelland. Von Laufenburg (AG) links führt das Profil westlich des Zürichsees über die Kantone Zürich, Zug und Schwyz bis zum Maderanertal (UR). Potenziale für Tiefenwasser sind theoretisch in folgenden Gesteinseinheiten vorhanden:

  • Obere Meeresmolasse (ocker)
  • Mesozoikum und helvetische Decken (blau und grün)
  • Oberste Bereich des Grundgebirges (rot)
  • Störungen, Brüche (rote Linien)

Querschnitt durchs Schweizer Mittelland

Wasser führende Gesteinsschichten können im sogenannten Molassebecken vorkommen. Die besten potenziellen Wasser führenden Schichten sind im Mesozoikum zu finden, die helvetischen Decken gehören auch dazu. Am grössten ist das Potenzial hingegen in den Störungen im Jura sowie in den Alpen und Voralpen. (Quelle: Dr. Roland Wyss GmbH)

Wasser führende Gesteinsschichten können im sogenannten Molassebecken vorkommen. Die besten potenziellen Wasser führenden Schichten sind im Mesozoikum zu finden, die helvetischen Decken gehören auch dazu. Am grössten ist das Potenzial hingegen in den Störungen im Jura sowie in den Alpen und Voralpen. (Quelle: Dr. Roland Wyss GmbH)

Tunnelwasser hat grosses Potenzial
Eine Besonderheit der mitteltiefen Geothermie sind an der Erdoberfläche austretende warme Quellen, wie sie etwa im Faltenjura und in den Alpen (z.B. Baden und Lavey-les-Bains) vorkommen. Hier strömt das aus der Tiefe stammende warme Wasser entlang von Störungen bis zur Oberfläche und kann genutzt werden. Auch bei den grossen Schweizer Tunneln wird das im Berginnern gefundene warme Wasser immer öfter genutzt. Das Potenzial von Tunnelwasser als frei verfügbare Energiequelle wurde in der Schweiz bereits in den 1970er Jahren erkannt. Noch sind die Möglichkeiten nicht ausgeschöpft.